Bürgernotfunk – Kommunikation, wenn Telefon und Internet ausfallen
Was ist Bürgernotfunk?
Bürgernotfunk ist eine Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, auch bei einem großflächigen Stromausfall, einer Naturkatastrophe oder einer anderen Krisensituation miteinander zu kommunizieren. Wenn Mobilfunknetze, Festnetztelefonie und Internet nicht mehr oder nur eingeschränkt funktionieren, können Funkgeräte eine wichtige Ergänzung zur Kommunikation sein.
Ziel des Bürgernotfunks ist es, die Kommunikation zwischen Menschen aufrechtzuerhalten, Informationen weiterzugeben, Hilfebedarf zu melden und Nachbarschaftshilfe zu unterstützen. Bürgernotfunk kann dazu beitragen, in Krisensituationen den Informationsaustausch zu erleichtern und Menschen miteinander zu verbinden.
Dabei gibt es verschiedene Funkanwendungen, die sich hinsichtlich Reichweite, Technik, Voraussetzungen und Nutzungsmöglichkeiten unterscheiden.

1. PMR446 – Einfacher Funk für jedermann
PMR446 ist ein lizenzfreier Jedermannfunk im Frequenzbereich um 446 MHz. Die Geräte sind einfach zu bedienen und eignen sich besonders für die direkte Kommunikation zwischen Personen in der näheren Umgebung.
Typische Einsatzmöglichkeiten:
- Kommunikation innerhalb der Nachbarschaft
- Abstimmung zwischen Helferinnen und Helfern
- Weitergabe kurzer Informationen bei einem Stromausfall
- Kommunikation bei gemeinsamen Hilfs- und Unterstützungsaktionen
PMR446-Geräte sind kompakt, häufig preiswert und benötigen in der Regel keine besondere Anmeldung oder individuelle Funklizenz. Ihre Reichweite hängt stark von Bebauung, Gelände, Antennenbedingungen und örtlichen Hindernissen ab. Innerhalb von Gebäuden oder in dicht bebauten Gebieten kann sie deutlich eingeschränkt sein.
PMR446 eignet sich daher besonders für lokale Kommunikation. Eine Verbindung über größere Entfernungen ist mit gewöhnlichen Geräten nicht zuverlässig gewährleistet.
2. Freenet – Kommunikation im lokalen und regionalen Umfeld
Freenet ist ein in Deutschland zugelassener lizenzfreier Funkdienst im Bereich um 149 MHz. Er wird vor allem mit Handfunkgeräten genutzt und ermöglicht direkte Gespräche zwischen Funkteilnehmern.
Typische Einsatzmöglichkeiten:
- Kommunikation zwischen benachbarten Orten, sofern die Funkbedingungen es zulassen
- Koordination von freiwilligen Helfern
- Informationsaustausch zwischen festgelegten Funkstellen
- Ergänzende Kommunikation bei Ausfällen herkömmlicher Kommunikationsmittel
Durch die niedrigere Frequenz im Vergleich zu PMR446 können sich unter bestimmten Bedingungen Unterschiede bei der Ausbreitung ergeben. Eine pauschal größere Reichweite ist jedoch nicht garantiert. Gelände, Bebauung, Antenne und Geräteleistung bleiben entscheidend.
Freenet kann somit eine weitere Möglichkeit sein, die lokale Funkkommunikation im Bürgernotfunk zu ergänzen. Dabei müssen die jeweils geltenden gesetzlichen Vorgaben für Frequenzen, Geräte, Antennen und Sendeleistung eingehalten werden.
3. CB-Funk – Kommunikation auf 27 MHz
CB-Funk (Citizen Band Radio) ist ein lizenzfreier Funkdienst im Frequenzbereich um 27 MHz. Er wird sowohl mit mobilen Geräten im Fahrzeug als auch mit stationären Funkanlagen genutzt.
Typische Einsatzmöglichkeiten:
- Kommunikation zwischen Funkteilnehmern in unterschiedlichen Ortsteilen
- Austausch von Informationen zwischen privaten Funkstellen
- Aufbau einer ergänzenden Kommunikationsmöglichkeit bei länger andauernden Störungen
- Kontakt zu anderen CB-Funkern in der Region
Die erreichbare Entfernung hängt unter anderem von Antennenhöhe, Antennentyp, Gelände, Sendeleistung und den jeweiligen Ausbreitungsbedingungen ab. Bei geeigneten Bedingungen können auch größere Entfernungen überbrückt werden. Durch besondere atmosphärische Ausbreitungsbedingungen sind zeitweise sogar sehr weite Verbindungen möglich; diese sind jedoch nicht zuverlässig planbar.
Für den Bürgernotfunk kann CB-Funk interessant sein, weil neben Handfunkgeräten auch leistungsfähigere, stationäre oder mobile Antennenlösungen innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen genutzt werden können.
4. Amateurfunk – Eine weitere Möglichkeit für den Notfunk
Neben PMR446, Freenet und CB-Funk gibt es den Amateurfunk. Er unterscheidet sich von den lizenzfreien Funkdiensten dadurch, dass für den regulären Sendebetrieb grundsätzlich eine Amateurfunkzulassung und ein entsprechendes Rufzeichen erforderlich sind.
Amateurfunker verfügen über umfangreiche technische Möglichkeiten und können je nach Frequenzband, Betriebsart und Ausstattung Verbindungen über große Entfernungen herstellen. Dazu zählen beispielsweise Sprechfunk, digitale Übertragungsverfahren und Morsetelegrafie.
Amateurfunk kann im Notfunk besonders wertvoll sein:
- Für Verbindungen über größere Entfernungen
- Für die Übermittlung von Nachrichten zwischen verschiedenen Regionen
- Für die Kommunikation über geeignete Relaisfunkstellen
- Für den Aufbau von Funkverbindungen unabhängig von öffentlichen Mobilfunknetzen
- Für die Übermittlung von Informationen, wenn andere Kommunikationswege gestört sind
Je nach Ausstattung können Amateurfunkstationen über UKW, Kurzwelle und weitere zugelassene Frequenzbereiche arbeiten. Kurzwellenfunk ermöglicht unter geeigneten Bedingungen auch Verbindungen über mehrere hundert oder tausend Kilometer. UKW-Verbindungen werden häufig für regionale Kommunikation eingesetzt; Relaisfunkstellen können die Reichweite erweitern.
Amateurfunker beschäftigen sich oft intensiv mit Funktechnik, Antennenbau, Stromversorgung und dem Betrieb von Funkanlagen unter schwierigen Bedingungen. Viele engagieren sich in Notfunkgruppen und üben die Kommunikation für außergewöhnliche Situationen.
Amateurfunk ist allerdings kein allgemeiner Ersatz für Behörden- und Rettungsfunk. Eine Teilnahme an behördlichen Kommunikationsabläufen setzt entsprechende Absprachen und Zuständigkeiten voraus.
5. Zusammenspiel der verschiedenen Funkdienste
Die verschiedenen Funkdienste können sich im Bürgernotfunk ergänzen:
- PMR446: für einfache, direkte Kommunikation im näheren Umfeld
- Freenet: für lokale und gegebenenfalls regionale Funkverbindungen
- CB-Funk: für ergänzende Kommunikation mit unterschiedlichen Geräte- und Antennenmöglichkeiten
- Amateurfunk: für technisch vielseitige Verbindungen, einschließlich größerer Entfernungen und spezieller Notfunkverfahren
Eine mögliche Struktur besteht darin, dass Nachbarschaften über PMR446 kommunizieren, weitere Funkstellen ergänzend Freenet oder CB-Funk einsetzen und lizenzierte Amateurfunkstationen – sofern vorhanden und vereinbart – Nachrichten über größere Entfernungen weiterleiten.
Dabei ist wichtig: Die verschiedenen Funkdienste können nicht ohne Weiteres direkt miteinander kommunizieren, da sie unterschiedliche Frequenzen und technische Standards verwenden. Für die Verbindung zwischen ihnen sind geeignete, jeweils regelkonform betriebene Funkstellen und klar vereinbarte Informationswege erforderlich.
6. Vorbereitung ist entscheidend
Damit Bürgernotfunk im Ernstfall funktioniert, sollte die Nutzung vorher vorbereitet und regelmäßig geübt werden. Sinnvoll sind beispielsweise:
- Absprachen über verwendete Funkkanäle und regelmäßige Funkrunden
- Eine einfache und verständliche Gesprächsdisziplin
- Ausreichend geladene Akkus und Ersatzbatterien
- Eine unabhängige Stromversorgung für geeignete Geräte
- Notierte Kontaktinformationen und wichtige örtliche Anlaufstellen
- Klare Regeln für die Weitergabe und Überprüfung von Informationen
Bei der Nutzung müssen die gesetzlichen Vorgaben des jeweiligen Funkdienstes eingehalten werden. Außerdem sollten keine unbestätigten Meldungen verbreitet und persönliche oder vertrauliche Informationen nicht unnötig über offene Funkkanäle übertragen werden.
Fazit
Bürgernotfunk kann einen Beitrag zur Vorsorge und gegenseitigen Unterstützung leisten, wenn herkömmliche Kommunikationswege ausfallen. PMR446, Freenet und CB-Funk bieten unterschiedliche Möglichkeiten für die direkte Kommunikation. Der Amateurfunk ergänzt diese Möglichkeiten durch weitere Frequenzbereiche, technische Verfahren und die Fähigkeit, unter geeigneten Bedingungen auch weit entfernte Funkstellen zu erreichen.
Entscheidend ist nicht allein das Funkgerät, sondern die Vorbereitung: Menschen müssen wissen, wie ihre Geräte funktionieren, welche Kommunikationswege sie nutzen können und wie Informationen zuverlässig weitergegeben werden.
Bürgernotfunk bedeutet: vorbereitet sein, miteinander kommunizieren und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten gegenseitig unterstützen.